Bundesverband Altöl e.V. (BVA)
Presse - Pressemitteilungen

(18.07.2012)
Auf Expansionskurs
(Erschienen in der 12. Ausgabe des RECYCLING-Magazin, Seite 16-19) 

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Deutschlands größtes Unternehmen für Zweitraffinate will seine Kapazitäten bis 2014 um ein Drittel ausbauen. Bezogen auf den Gesamtmarkt bedeutet dies eine Zunahmen um 20 Prozent. EU-Wettbewerber wollen ebenfalls expandieren. Drohen Überkapazitäten?

Ungeachtet des bereits sehr harten Wettbewerbs um das knappe Wirtschaftsgut Altöl will der Marktführer Puralube seine Altölverarbeitungskapazitäten bis 2014 von derzeit 160.000 auf 240.000 Jahres tonnen um ein Drittel ausweiten. Kenner des Altölmarktes befürchten nun einen Verdrängungswettbewerb. Um die Kapazität von 240.000 Jahrestonnen auszulasten, könnte Puralube künftig allein schon mehr als die Hälfte des in Deutschland anfallenden Altöls einsetzen. Das Unternehmen versichert zwar, seinen steigenden Altöldurst vorwiegend im Ausland zu stillen, doch Marktkenner wie Thomas Probst vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) gehen davon aus, dass die drastischen Ausweitungspläne zu einem Verdrängungswettbewerb zwischen den Betreibern von Zeitraffinerien führen könnte, sofern nicht mehr Altöl für das Recycling anfällt.

Sammelmengen gehen zurück
Doch danach sieht es nicht aus. Im Gegenteil: Die Altölmengen sind rückläufig. Moderne Maschinen können mit den eingesetzten
Schmierstoffen länger laufen, ohne Schaden zu nehmen. Dadurch werden die Ölwechsel seltener und es fällt weniger Altöl an. Hinzu
kommt, dass Rohöl immer knapper wird. In der Europäischen Union werden jedes Jahr rund zwei Millionen Tonnen Altöl gesammelt, davon rund 436.000 Tonnen allein in Deutschland. Tendenz sinkend! Dem stehen in der EU Kapazitäten zur Aufbereitung von Altöl in Basisöl von zirka 1.223.100 Tonnen gegenüber, davon in Deutschland rund 353.000 Tonnen. Tendenz steigend! Die Zahlen stammen vom europäischen Altölverband GEIR und beziehen sich auf das Jahr 2010. In den vergangenen zehn Jahren sind allein in der Europäischen Union rund 260.000 Jahrestonnen neue Kapazitäten zur Aufbereitung von Altöl zu Basisöl entstanden, davon 168.000 Tonnen in Deutschland (Puralube 160.000, Trafolube 8.000). Die restlichen Kapazitäten entstanden in Finnland (L&T Recoil: 42.000)
und in England (Whelan Refinering: 50.000). Und derzeit nimmt Osilub in Frankreich eine neue Anlage in Betrieb, mit der rund 120.000
Tonnen Altöl aufbereitet werden können. Mit weiteren neuen Kapazitäten in Europa muss gerechnet werden. Ein dafür gehandelter
Kandidat ist das italienische Unternehmen Viscolube. Es ist mit rund 214.000 Tonnen derzeit einer der größten Zweitraffinateure in der
EU. Ähnlich groß dürften die Kapazitäten der Avista Oil AG in Europa sein. Sie hat Aufbereitungskapazitäten in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden. Avista Oil kommt mittlerweile auf eine Aufbereitungskapazität von rund 300.000 Jahrestonnen, die allerdings nicht ausschließlich der Aufbereitung von Altöl zu Basisöl dient. Von der Gesamtkapazität der Avista Oil AG stehen 120.000 Jahres tonnen am deutschen Standort der Mineralölraffinierie Dollbergen (MRD), rund 40.000 Jahrestonnen am dänischen Standort
der Dansk Olie Genbrug, und rund 140.000 Tonnen am niederländischen Standort der North Refining and Trading NV, wo die Avistagruppe ihren Anteil von 25 auf 42 Prozent aufgestockt hat. Hinzu kommt, dass die Avistagruppe derzeit in den USA eine moderne Raffinerie mit einer Jahreskapazität von rund 100.000 Tonnen baut. Und es ist nicht auszuschließen, dass die Avistagruppe auch für den europäischen Markt weitere Expansionspläne in der Schublade hat. Warum auch nicht? Puralube-Geschäftsführer
Christian Hartmann ist sich sicher, dass die Zukunft der Altölverwertung in der Herstellung von Basisöl liegt. Schon in den vergangenen Jahren ist die Nachfrage für Zweitraffinate weltweit deutlich gestiegen, und das Angebot kam nicht entsprechend mit. Allein in Deutschland ist in den vergangenen 14 Jahren die Herstellung von Zweiraffinaten aus Altöl dramatisch gewachsen. Während 1998 gerade mal rund 75.000 Tonnen Basisöl aus Altöl hergestellt wurden, sind es mittlerweile mehr als 200.000 Tonnen.

Tankwagen Puralube

Eine Ende dieses rasanten Wachstums ist nicht abzusehen. Die Rohölquellen werden in den kommenden Jahrzehnten allmählich versiegen, und es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zu prophezeien, dass Öl damit immer teurer wird. Für die Wirtschaft
wird es daher um so wichtiger, Öl aus Altöl zu gewinnen. Daher gilt es, Altöl in Zukunft so gut zu nutzen, wie es nach dem jeweiligen
Stand der Technik möglich ist. Und genau darin sieht Puralube seine Stärke. Es besitzt weltweit geschützte Patente für modernste Altöl-Aufbereitungsverfahren. Laut Hartmann ist das Unternehmen mittlerweile dazu in der Lage, aus 100 Tonnen Altöl bis zu 70 Tonnen hochwertiges Basisöl zurück zu gewinnen. Damit läge es deutlich über dem Durchschnitt, der etwa bei 50 Tonnen liegt.
Schärfster Konkurrent in der Aufbereitung von Altöl zu Basisöl ist die MRD, die ebenfalls weltweit geschützte Patente in der Schublade hat. Doch selbst sie kann den Spitzenwert von Puralube nicht toppen, heißt es in Marktkreisen.

„Die Verfahren der beiden führenden Unternehmen auf dem Gebiet des Altölrecyclings unterscheiden sich grundlegend“, erklärt
BVA-Geschäftsführer Horst Laneus. Während MRD ein sogenanntes Solvent Extraktionsverfahren einsetzt, arbeitet Puralube
mit einem Hochdruckhydrierungsverfahren, dass zwar eine höhere Ausbeute erzielt, dafür jedoch mehr Energie einsetzen muss. „Am
Ende beider Verfahren fällt aber ein hochreines Basisöl an, dass qualitativ noch besser ist, als Basisöl, das aus Rohöl hergestellt wurde“, meint Laneus. Mit den neuen Verfahren können die Zweitraffinateure den (Erst-)Raffinerien, die aus Rohöl Basisöl herstellen, verstärkt Konkurrenz machen. Noch stammt jedoch der weitaus größte Teil des in Deutschland hergestellten Basisöls von knapp über einer Millionen Tonnen aus Rohöl. Im Jahre 2010 wurden lediglich rund 208.000 Tonnen Basisöl aus Altöl hergestellt. Die Zahlen für 2011, die derzeit aufbereitet werden, deuten auf eine weitere Steigerung hin.

Qualitätssprung nutzen
In der Branche besteht kein Zweifel: Das Verhältnis der Altölaufbereitung wird sich in den kommenden Jahrzehnten zugunsten
der Zweitraffination verändern, nicht zuletzt, weil es den Zweitraffinateuren gelingt, aus dem Altöl nicht nur quantitativ, sondern auch
qualitativ – wenn auch mit hohem Aufwand – immer mehr herausholen. Entscheidend dabei ist, dass sie dabei nur halb so viel Energie verbrauchen, wie bei der Herstellung von Basisöl aus Rohöl. Dies ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viele Schritte notwendig sind, damit aus Altöl Basisöl entsteht. So müssen dem Altöl zunächst alle hinderlichen Stoffe entzogen werden. Neben Schad- und Reststoffen gehört hierzu vor allem Wasser, mit der die Öle während ihrer Nutzungsphase angereichert wurden. Dies geschieht meist durch Vakuumdestillation. Erst durch die gezielte Zumischung bestimmter Additive (die überwiegend aus Rohöl stammen) können aus
dem so gewonnenen Basisöl bis zu zehn unterschiedliche Schmierstoffe hergestellt werden, beispielsweise Motoren-, Getriebe- und
Hydrauliköle. Diese Öle sind sehr gefragt. Um so bedauerlicher ist es, dass in Deutschland immer noch mehr als die Hälfte des anfallenden Altöls nicht recycelt, sondern nach wie vor verbrannt wird. Damit kritisieren diejenigen Zweitraffinateure, die aus Altöl überwiegend Basisöl herstellen, nicht nur die direkten Verbrenner, wie beispielsweise die Zementoder Kalkindustrie, sondern in jüngster Zeit auch konkurrierende Zweitraffinateure mit veralteter Technologie, die aus Altöl vorwiegend Heizöl oder Gasöl (= Diesel) herstellen. So sollen in deutschen Zweitraffinerien ungefähr zwei Drittel des angelieferten Altöls noch nicht zu Basisöl aufbereitet werden.
 
Starke Finanzpartner
Doch nicht überall rechnet sich die Modernisierung der Anlagen. Und wer seine Kapazitäten ausbauen will, braucht viel Kapital. So
will Puralube in die jüngste Kapazitätsaufstockung von 80.000 Jahrestonnen rund 50 Millionen Euro investieren. Daher ist es nicht
weiter verwunderlich, dass vor allem diejenigen Raffinerien ihre Kapazitäten aufstocken, die über entsprechende finanzielle Mittel verfügen. Die Verflechtung der großen Zweitraffinateure macht dies deutlich. So ist Osilub ein Joint Venture zwischen dem Entsorgungskonzern Veolia und dem Ölkonzern Total, und die Puralube Germany GmbH ist die deutsche Tochter der Puralube Inc. (Wayne/USA), einer US-Firmengruppe, die Muttergesellschaft zahlreicher Unternehmen ist. Und hinter Viscolube steht mittlerweile ein britischer Investmentfonds. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass gerade kleinere Zweitraffinateure in Deutschland, wie beispielsweise die KS-Recycling GmbH in Sonsbeck oder die Südöl Mineralölraffinerie GmbH in Eislingen/Fils, die drastische
Kapazitätsaufstockung ihrer großen Konkurrenten mit gemischten Gefühlen beobachten. Sie könnten in eine unangenehme
Sandwich-Position geraten: Auf der einen Seite ihre großen finanzstarken Konkurrenten mit modernster Technologie, auf der anderen
Seite ‚sonstige‘ Verwertungsverfahren für Altöl, beispielsweise in der Zement-, Kalk- oder Stahlindustrie, sowie denjenigen Zweitraffinateuren, die aus Altöl überwiegend Heiz- und Gasöle herstellen. Den Zweitraffinateuren sind diese ‚sonstigen‘ Verwerter schon lange ein Dorn im Auge. Äußeres Zeichen dafür ist, dass sie über den Bundesverband Altöl (BVA) den deutschen
Gesetzgeber schon seit Jahren dazu drängen, der stofflichen Verwertung von Altöl einen stärkeren Vorrang einzuräumen. Ihr
immer wieder ins Feld geführte Argument klingt einleuchtend. Statt Altöl beispielsweise in Zementwerken zu verfeuern oder als
Reduktionsmittel in Stahl öfen einzusetzen, wo es für immer verloren wäre, sei es besser, Altöl so lange es geht im stofflichen Verwertungskreislauf zu halten, sprich zu Basisöl zu verarbeiten.

BMU will alles beim alten lassen
Bisher stieß dieses Argument beim deutschen Gesetzgeber jedoch auf taube Ohren. Der zuständige Mitarbeiter im Bundesumweltministerium (BMU), Karl Biedermann, möchte zu diesem Thema nichts sagen. Dennoch scheint festzustehen, dass der deutsche Gesetzgeber die vorrangige Verwertung auch künftig den Marktkräften überlassen will. Dementieren wollte man dies im BMU
jedenfalls nicht. Offensichtlich befürchtet der Gesetzgeber, dass alternative Verwertungsverfahren vom Markt verdrängt würden, wenn
der Aufbereitung von Altöl zu Basisöl ‚absoluten‘ Vorrang eingeräumt wird. Außerdem würde dann kaum noch in die Erforschung
alternativer Altölverwertungsverfahren investiert. Es gibt aber auch Kritiker, die hinter vorgehaltener Hand sagen, dass es keinen Sinn
macht, minderwertiges Altöl in Raffinerien umzuleiten, wenn daraus zu einem größeren Teil immer noch Heiz- oder Gasöl hergestellt
wird. Dann könne man es genau so gut ohne Aufbereitung schadlos beispielsweise bei der Zementherstellung verfeuern.

Stoffstromanalyse-Altöl2010

Mit seiner Haltung rennt der Gesetzgeber bei Verwertern in der Zement-, Kalk - und Stahlindustrie offene Türen ein. Doch noch mehr als die Konkurrenten der Zweitraffinateure begrüßen die Anbieter von Altöl, dass der Gesetzgeber es weitgehend den Marktkräften
überlässt, inwieweit Altöl zu Basisöl aufbereitet wird. Ansonsten würde es quasi zu einer ‚Andienungspflicht‘ für Altöl an eine Hand voll Zweitraffinateure führen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 100 Altölsammelunternehmen, die bis auf wenige Ausnahmen von der Abnehmerseite unabhängig sind. Allerdings gehören die zwei größten Altölsammler auch den beiden größten Zweitraffinateuren, die sich damit einen direkten Zugang zur Altölquelle in Deutschland sichern: Baufeld gehört zu Puralube und Karo-Ass gehört zu MRD. Diese beiden Unternehmen sammeln alleine aber etwas mehr als 20 Prozent des gesamten Altöls in Deutschland. Laut dem Entsorgerverband bvse ist es gerade dieser immer noch mittelständischen Sammelstruktur zu verdanken, dass nicht zu viel Altöl verfeuert wird. Immerhin wurden, so Thomas Probst, lediglich 23 Prozent des im Jahre 2010 in Deutschland gesammelten Altöls in Höhe von 436.000 Tonnen verbrannt. Dieser Anteil sei seit Jahren relativ stabil. Dem stellt der BVA gegenüber, dass lediglich 50
Prozent zu Basisöl aufbereitet wurde. Zugleich behauptet der Verband, dass mehr Altöl zu Basisöl verarbeitet werden könnte, wenn der deutsche Gesetzgeber sich stärker an der neuen EU-Abfallhierarchie orientieren würde. Doch die Abfallhierarchie sorgte in Bezug auf den Umgang mit Altöl bereits im Vorfeld zur EU-Abfallrahmenrichtlinie (AbfRRl) im Jahre 2007 für heftige Diskussionen. Während die EU-Kommission nicht zuletzt auf Betreiben Deutschlands die Auffassung vertrat, die damals noch bestehende Altölrichtlinie sei überflüssig, weil der Vorrang des Recyclings nun für alle Abfälle gleichermaßen verbindlich sei, so dass es einer Einzelregelung
für Altöl nicht mehr bedürfe, wehrten sich Europas Zweitraffinateure gegen die geplante ersatzlose Streichung der Altölrichtlinie. Mit
Hilfe des EU-Parlaments setzten sie gegenüber der Kommission schließlich durch, dass anstelle der Altölrichtlinie in Artikel 21 der
AbfRRl ein eigener Passus für Altöl übernommen wurde.

Relativer Vorrang – mehr nicht
Darin heißt es mit Verweis auf die fünf-stufige Abfallhierarchie sinngemäß, dass Altöl unter anderem vorrangig recycelt werden muss,
sofern dies technisch durchführbar und wirtschaftlich vertretbar ist. In der Begründung zur AbfRRl wird erläutert, dass die Altölbewirtschaftung durch den Artikel 21 vor allem im Einklang mit der Prioritätenfolge der neuen Abfallhie rarchie erfolgen sollte. Ferner sollte den Optionen der Vorzug gegeben werden, die insgesamt das beste Ergebnis hinsichtlich des Umweltschutzes erbringen. Die EU-Staaten gehen mit diesen Vorgaben jedoch recht unterschiedlich um. Während es in einigen Ländern wie Griechenland, Italien, Polen und Spanien einen absoluten Vorrang der Verarbeitung von Altöl zu Basisöl gibt, wird in anderen Ländern wie Dänemark und
Finnland der Vorrang finanziell bezuschusst. Der Altölmarkt der EU gleicht damit einen Fleckenteppich, der durch nationale Interessen
geprägt ist. In EU-Staaten, wo energieintensive Industriezweige wie die Stahl- oder Zementindustrie stark vertreten sind, ist dieser
absolute Vorrang offensichtlich jedoch nur schwer durchzusetzen..
Hierzu zählt Deutschland. Der deutsche Gesetzgeber sah bei der Umsetzung der neuen fünfstufigen Abfallhierarchie in das neue
Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) keine Notwendigkeit, das bestehende Altölrecht zu verändern. Es schreibt vor, dass Altöl je nach
Verunreinigung in vier Kategorien gesammelt werden muss, die nicht mitein ander vermischt werden dürfen. Erst der Besitzer der Verwertungsanlage, der das Altöl erworben hat, entscheidet in welcher Weise das Altöl genutzt werden soll. Dies ist von den unterschiedlichen Betriebsverfahren der verschiedenen Anlagen abhängig, die nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz zur ordnungsgemäßen und schadlosen Verwertung zuge lassen wurden. Bevor das Altöl verwertet wird, müssen die Betreiber der Aufbereitungsanlagen es erst einmal analysieren. Nur Altöle, deren Aufbereitung wegen des hohen Gehaltes an Zusätzen oder Schadstoffen nicht sinnvoll ist, dürfen als Ersatz für normale Brennstoffe in Feuerungsanlagen energetisch verwertet werden, die eine im Bundes immissionsschutzgesetz geregelte Genehmigung zum Einsatz von energiereichen Abfällen haben. Grundsätzlich gilt in Deutschland aber der Vorrang der Aufbereitung von Altölen nur insoweit, als dem „keine technischen und wirtschaftlichen einschließlich organisatorischer Sachzwänge entgegenstehen.“ Dieser ‚relative‘ Verwertungsvorrang für Altöl ist in der Praxis durch die zuständigen Behörden jedoch nur schwer zu überwachen, kritisiert Holger Jacobj von der Rechtsanwaltskanzlei Professor Versteyl. „Welche Behörde kann und will schon beurteilen, ob die wirtschaftlichen Sachzwänge, auf die sich beispielsweise ein Zementwerk beruft, zu recht bestehen?“ Jacobj fordert daher, dass der Gesetzgeber den Vorrang der Altölaufbereitung in einer neuen Altölverordnung präziser fassen sollte. Außerdem sollte der Gesetzgeber die Beweislast umkehren, fordert Jacobj. Mit anderen
Worten: Grundsätzlich sollte das Recycling Vorrang haben, und nicht die Ausnahme. Nur wenn wirtschaftliche oder technische Sachzwänge gegen ein Recycling sprechen, sollte dies im Einzelfall nachgewiesen werden. Christian Hartmann von Puralube hat
die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass in Deutschland eines Tages die Aufbereitung von Altöl zu Basisöl vom Gesetzgeber gefördert statt behindert wird. Doch angewiesen seien die großen Zweitraffinateure darauf nicht mehr so stark wie früher. Sie sind längst globale Player, deren wichtigstes Kapital neben der modernen Aufbereitungstechnologie ein dichtes internationales Sammelnetzwerk ist.




(10.07.2012)
Raffinierte Zweitverwertung
(Erschienen im Brennstoffspiegel + Mineralölrundschau 06/2012, Seite 34/35)

In Alttröglitz, wenige Kilometer vor der Stadt Zeitz im Süden von Sachsen-Anhalt, ist Puralube dem Hausprospekt zufolge „two steps beyond the future“ – zwei Schritte weiter als die Zukunft. Wer sich die Raffinerie einmal aus der Nähe anschaut, kann für sich entscheiden, was er für diese beiden Schritte hält: Da wäre der erfolgreiche Aufbau zweier
moderner Anlagen, die Gebrauchtöl zu hochwertigen APIGruppeIIBasisölen aufbereiten. Oder der Zweiklang aus ökologischem und ökonomischem Nutzen denn natürlich ist der umweltbewusste Umgang mit Altöl als wertvoller Rohstoff nicht nur politisch gewollt, sondern auch eine profitable Geschäftsidee.

Bericht 2012 Harry Gelände

Am Anfang war das Wort. Auf Einladung der UNITI nämlich referierte Harry Wadle, Vertriebler bei Puralube, beim Mineralöltechnologieforum über „Die andere effiziente Art der Basisöl-Herstellung“
durch Zweitraffination. Was daran „anders“ und „effizient“ ist, wollte das BrennstoffspiegelTeam nahe Zeitz vor Ort erfahren. Dort, wo sich schon zu DDRZeiten ein bedeutender Raffineriestandort befand, hat die deutsche Tochter des gleichnamigen USKonzerns
Puralube in den Jahren 2004 und 2008 sukzessive zwei Anlagen in Betrieb genommen, in denen Altöl rückstandsfrei zu verkaufsfertigen Pro dukten aufbereitet wird. „Zur Wende war hier erst einmal alles platt“, antwortet Wadle auf die Frage,
wie viel AltSubstanz man denn hätte ins 21. Jahrhundert hinüber retten können oder wollen. „Nichts“ wäre dennoch die falsche Antwort. Denn etliche Strukturen waren immerhin da, sowohl infrastrukturell unter der Erde als auch personell in Form von qualifizierten Arbeits kräften. Wadle verschweigt nicht, dass das Liefern einer Beschäftigungsperspektive den Bau des bislang einzigen deutschen Puralube Standorts erleichtert hat – Stichwort Fördermittel. Aber statt einem Millionengrab hat sich vor Zeitz ein Betrieb entwickelt, der sich vier Jahre nach dem Start mit einer zweiten Anlage verdoppelt hat. Puralube beschäftigt eigenen Angaben zufolge derzeit etwa 100 Mitarbeiter am Standort, verarbeitet jährlich mehr als 140.000 Tonnen Altöl und macht 150 Millionen Euro Umsatz in der Gruppe.

Auf das Gelände im Industriepark Zeitz rollen binnen weniger Minuten mehrere Lkw. Oft verrät deren Kennzeichen, dass die Transportwege auch länger sind. „Während die Nachfrage nach den Produkten riesig ist, ist das Angebot an gebrauchtem, wiederaufarbeitungsfähigem
Öl sehr begrenzt“, sagt Wadle. Zwei Drittel müssen zugekauft werden, ein Drittel gar aus dem Ausland, mehrheitlich aus den
BeneluxLändern, Frank reich, Österreich, Schweiz und England.

Von 2,5 Millionen Tonnen (=Megatonnen, Mt) hierzulande produzierter Schmierstoffe pro Jahr bleibt nach Export, Eigenbedarf und Verlust ca. 1 Mt Schmierstoffinlandsablieferungen in Deutschland übrig. Davon wird knapp die Hälfte nach Gebrauch gesammelt, wovon zwei Drittel stofflich verwertet werden. Mit ca. 200 kt/a Basisöl Re-Raffination werden demzufolge rund 20 Prozent der Gesamtmenge
vom Schmier stoffbedarf abge deckt. „Ein wenig effektiver könnte man noch sammeln“, sagt Wadle und meint nicht nur die Menge, sondern auch die Wege: „Eigentlich gehören solche Raffinerien dann auch in die Nähe der großen Verbraucher. Etwa ins Ruhrgebiet, Antwerpen, Rotterdam….“ In früheren Image Publikationen heißt es, Puralube strebe eine dritte Anlage in Skandinavien oder
andernorts an. Die Herausforderung liegt aber in der Beschaffung des Rohstoffs. Im Kampf ums Altöl konkurriert die Altölverbrennung
mit dem Altölrecycling. Die Verbrenner haben nach europäischen Regelungen eigentlich den Kürzeren gezogen, müssten sämtliches recyclingfähiges Öl den Aufbereitern überlassen. In Deutschland gilt jedoch derzeit noch eine schwammigere Vorrangregelung, die es
erlaubt, unter bestimmten Bedingungen auch Mengenströme aus der relevanten Sammelkategorie 1 abzugreifen. Der Absatz der Produkte funktioniert laut Harry Wadle und Dirk Nieschalk, der vor Ort im Controlling arbeitet, hingegen hervorragend: Das produzierte Basisöl geht überwiegend an die mittelständische Schmierstoffindustrie: 60 Stammkunden kaufen die neuen „pur“ Basisöle zur weiteren Verwendung. Apropos Zweitraffinat: Der Laie begegnet Recycing Produkten häufig mit Skepsis. Man sieht zwar den Umweltnutzen, zweifelt aber an der möglichen Qualität. Oder anders: Wer trägt schon Second Hand?

Doch das PuralubeTeam ist sicher: Die Produkte haben bisher jeden Zweifler überzeugt. „Unsere Basisöle sind GruppeII/ II+Basisöle
und haben ihre Hochwertigkeit bisher in sämtlichen Tests bewiesen – weswegen wir überhaupt kein Ima geproblem haben“, sagt Wadle. Aus dem „Giftschrank“ in der Messwarte entnimmt er eine Flasche mit einer klaren, geruchsneutralen Flüssigkeit: ein „pur“ Öl.
Ein paar Tropfen auf Wadle’s Zunge beweisen, dass selbige dran bleibt und wohl auch keinen langfristigen Schaden davontragen
wird. Er beruhigt uns mit einem Lächeln: „Ich mache das öfter als ,Chemiker‘ – natürlich nur zu Vorführzwecken!“ Nieschalk ergänzt: „Das ÖkoLabel hilft, aber wir brauchen es eigentlich nicht. Wir überzeugen mit Qualität.“ Und das geht in Zeitz ungefähr so:
Für den Nachschub sorgt die Tochterfirma Baufeld, die zu den großen Altöl Sammlern in Deutschland und seit 2002 auch zu
Puralube gehört. Nach Anlieferung per Straße oder Schiene kommt das gebrauchte Öl in große Tanks. „ALTÖL“ prangt in großen
Lettern darauf. Das ist dem Marketingmann Wadle ein Dorn im Auge: „Alles Öl ist Millionen Jahre alt, schon wenn es aus der
Erde kommt. Viel treffender wäre Gebrauchtöl!“ Dieses enthält, laut Nieschalk durch die getrennte Sammlung und Klassifizierung
bis zu 80 Prozent recycelbare Ölkomponenten. Das Gebrauchtöl wird dem Raffinerieprozess zugeführt und bei Puralube auf eine ganz spezielle Weise verarbeitet. Für das in Amerika entwickelte HyLubeTM Verfahren, das sich von den klassischen Prozessen unterscheidet, hat Puralube die Nutzungsrechte erworben. Besonderheit: Es handelt sich um einen kontinuierlichen mehrstufigen Prozess, bei dem der Rohstoff bereits am Beginn mit 480 °C heißem Wasserstoff gemischt und in der Folge mittels katalytischem Hydroprocessing in einem kompakten Prozessfeld entschwefelt und von Verunreinigungen befreit wird. „Hier geschieht alles in einer Wasserstoffatmosphäre. Den Wasserstoff beziehen wir per Pipeline aus Leuna“, erklärt Wadle. Gleich zu Beginn des HyLube TM Verfahrens wird Heavy Fuel abgetrennt, das als Asphalt Modifier weiterverarbeitet werden kann.
Am Ende werden in einer 50 Meter hohen Vakuumkolonne die Produkte des tillativ getrennt: Naphtha geht an Raffinerien, bei Fuel Gas meldet Puralube Eigenbedarf an und schwefelarmes Gasöl geht in den Heizölhandel. Knapp 70 Prozent des Outputs, das sind knapp 90.000 Tonnen jährlich, entfallen auf das Hauptprodukt: die Basisöle pur60, pur75, pur160 und pur300.

Stolz ist man bei Puralube darauf, dass quasi rückstandsfrei gearbeitet wird: „Wir erzeugen aus Abfall nur verkaufsfähige Produkte – abgesehen von Wasser“, sagt Wadle. Über den „pur“ Bedarf braucht sich Wadle wohl nicht sorgen: „Immer strengere Abgasrichtlinien und der Zwang zur Nachhaltigkeit sind Treiber für hochwertige Basisöle.“ Auch die Chemikalienverordnung REACH stellt kein Problem dar, denn die Stoffe von Puralube sind bereits in 2010 gelistet und registriert worden. Auch ökonomisch muss sich Puralube nicht verstecken. So habe man insbesondere in den letzten beiden Jahren nach der Rezession sehr ordentlich gewirtschaftet. Der Erfolg hängt jedoch nicht nur alleine vom Ölpreis und der motivierten Mannschaft ab. Vielmehr ist auch die längjährig gewachsene Marktakzeptanz vor allem bei den Partnern im Mittelstand ein Erfolgsfaktor. Unterm Strich erkennt der Laie, dass Puralube mit diesem Konzept eine raffinierte Zweitverwertung betreibt.



(10.07.2012)
Ressourcenschonende Wiedergewinnung - Recycling gebrauchter Metallbearbeitungsflüssigkeiten
(von Dr. Ralph Bukowski, Vertriebsleiter Deutschland Industrieschmierstoffe, Zeller+Gmelin GmbH & Co. KG, Eislingen, erschienen im UNITI-Jahresbericht 2011/2012, Seiten 46-49)

Die kontroversen politischen Diskussionen um das zukünftige Energiekonzept halten weiter an und schlagen aktuell hohe Wellen. Neben der verstärkten Nutzung von Erneuerbaren Energien stehen dabei insbesondere die CO2-Reduzierung sowie die Schonung von Rohstoffen, also auch von fossilen Energien und hier besonders von Rohöl (Stichwort: “Peak Oil”), im Fokus. Ressourcen zu schonen und damit die Umwelt zu entlasten, ist längst ein Thema, das sich auch durch alle Industrien zieht.

Betrachtet man dieses Thema deutschlandweit, so lässt sich feststellen, dass Deutschland beim Ressourcenschutz nur sehr langsam vorankommt. Das zeigen Ergebnisse der umweltökonomischen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes. Das Ziel der Bundesregierung, die Rohstoffeffizienz bis 2020 im Vergleich zu 1994 zu verdoppeln, ist mit den bisherigen Maßnahmen schwer erreichbar. Die Rohstoffeffizienz hat sich zwar in den letzten Jahren in Deutschland erhöht; die Entwicklung ist jedoch immer noch nicht ausreichend, um die angestrebte Verminderung des Rohstoffverbrauchs zu erreichen.

Etwa 60 Milliarden Tonnen Rohstoffe werden heute weltweit jährlich verbraucht: Tendenz steigend. Nicht nur Erdöl, auch andere Rohstoffe wie Metalle und insbesondere die Seltenen Erden sind bereits heute Mangelware. Eine zunehmende Knappheit und Preissprünge bei Rohstoffen sind inzwischen ein globales Problem.
Je knapper die Rohstoffe werden, desto attraktiver wird es, Produkte zu recyceln. Durch Recycling spart die deutsche Wirtschaft bereits jetzt jedes Jahr Rohstoffimporte im Wert von rund 3,7
Milliarden Euro.

Doch auch die Unternehmen können unmittelbar profitieren. Der Materialkostenanteil am Bruttoproduktionswert beträgt im verarbeitenden Gewerbe 46 Prozent. Die Suche nach Materialeinsparungen dürfte sich für Unternehmen daher lohnen. Viele Unternehmen sind von sich aus bestrebt, den Rohstoffeinsatz zu senken, denn das macht sich für sie auch im internationalen Wettbewerb bezahlt.
Der überwiegende Anteil von Schmierstoffen ist nach wie vor auf Mineralölbasis aufgebaut und wird aufgrund des vergleichsweise sehr günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses noch lange den Markt dominieren. Gerade vor diesem Hintergrund hat die Thematik „Ressourcenschonung“ auch für die Schmierstoffbranche eine hohe Priorität. Für die deutsche Wirtschaft spielt die Metallindustrie weiterhin eine herausragende Rolle. Hochwertige Metallbearbeitungsöle für diese Schlüsselindustrie sind daher für mittelständische
Schmierstoffanbieter ein interessanter Markt. Mit ihrer hohen Flexibilität und ihren nachhaltigen Entwicklungsstrategien sind sie in der Lage, die teilweise sehr spezifischen Anforderungen an Metallbearbeitungsöle optimal zu erfüllen.
Auch wenn derzeit die sich zunehmend verschärfende Gesetzgebung in den Bereichen Umwelt (Luft, Boden, Wasser) und Arbeitsschutz und Gesundheit vor
allem durch die aktuelle Chemikalienpolitik der EU – hier ist zu nennen an erster Stelle das neue Chemikalienrecht REACH/CLP –
eine ernstzunehmende Herausforderung für alle Unternehmen darstellt, so ergeben sich hieraus auch Möglichkeiten für Innovationen. Eine durchaus interessante Neuentwicklung stellt in diesem Zusammenhang das von dem mittelständischen Schmierstoffhersteller
Zeller+Gmelin entwickelte und nachfolgend erläuterte Wiederaufarbeitungsverfahren für Metallbearbeitungsöle dar, das hier bespielhaft für die herausragende Bedeutung der Forschungs- und Entwicklungsarbeit von mittelständischen Schmierstoffherstellern für die
deutsche Wirtschaft vorgestellt werden soll.

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Das Konzept von Zeller+Gmelin sieht dabei Folgendes vor:
Häufig steht am Ende der Fertigungskette in der metallbearbeitenden Industrie die Entsorgung einer Mischung aus wässrigem Reiniger und (gebrauchtem) Öl. Diese Mischung stammt aus dem Waschprozess, in dem die gefertigten Teile gereinigt werden. Das in diesem Gemisch enthaltene Öl geht der weiteren Nutzung bei der Fertigung in der Regel somit verloren und muss durch den Zukauf von Frischöl ersetzt werden. An genau diesem Punkt setzt das Konzept an.
Anstelle der Entsorgung des Öl-/ Wasser-Gemisches stellt das Unternehmen ein System zur Verfügung, in dem wässrige und ölige Anteile unter sehr milden Bedingungen voneinander getrennt werden. Als „Nebeneffekt“ werden andere Verunreinigungen wie Späne ebenfalls abgetrennt. Das Ergebnis ist ein klares, wasserfreies und sauberes Öl, welches innerhalb der Fertigung des Kunden erneut – im ursprünglichen oder in einem anderen Prozess – zum Einsatz kommen kann. Somit muss lediglich die Wasserphase entsorgt werden, was wiederum eine deutliche Kosteneinsparung bedeutet. Der Kunde benötigt deutlich weniger Frischöl, das zu einem höheren Preis eingekauft werden muss.

Das Konzept ermöglicht eine Rückgewinnung von mindestens 90 Prozent des Öl-Anteils. Die
Qualität des aufgearbeiteten Öls wird im eigenen F+E-Labor überwacht.

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Für den Kunden ergeben sich folgende Vorteile:

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  • Schonung von Ressourcen
  • keine Entsorgung nutzbaren und teuren Öls (Recycling statt Entsorgung)
  • Rückführung des Recyclats möglichst in ursprünglichen Prozess
  • deutlich verringertes Entsorgungsvolumen (idealerweise nur Restwasser)
  • Kosteneinsparung von 30 Prozent und mehr
  • Unabhängigkeit von Schwankungen auf der Seite der Rohstoff-Kosten (Frischöl!) und damit erhöhte Planungssicherheit auf Beschaffungsseite
  • keine schleichende Verschlechterung des Prozessöls
Der Rohstoffverbrauch ist also ein erheblicher Kostenfaktor, nicht nur aus Sicht der Unternehmen, sondern auch volkswirtschaftlich. Deutschland ist extrem abhängig von Rohstoffimporten.
So lässt sich ebenfalls sagen, dass sich auch die Recyclingbranche positiv entwickeln wird, denn Recycling ist eine wichtige Strategie zur Verringerung des
Ressourcenverbrauchs.




AVISTA OIL AG steigert Anteil an niederländischer Re-Raffinerie
North Refining and Trading N.V.


AVISTA OIL AG verfolgt konsequent den Ausbau der internationalen Aktivitäten im Öl-Upcycling.

Die AVISTA OIL AG („AVISTA OIL“) hat ihren Anteil an der niederländischen Ölaufbereitungs-Raffinerie North Refining and Trading N.V., Delfzijl („North Refinery“), ausgeweitet. Bislang hielt die AVISTA OIL über eine Holding direkt und indirekt rd. 25% an dem an der Nordsee gelegenen Unternehmen. Dieser Anteil wurde nun mit Wirkung vom 22. Mai 2012 auf rd. 42% aufgestockt.

Bereits im Mai 2010 hat die AVISTA OIL die in den Niederlanden und Belgien tätigen Altölsammelunternehmen der Holding Wubben B.V. und hierdurch erste Anteile an derNorth Refinery übernommen. Im Rahmen der Wachstumsstrategie der AVISTA OIL wurden diese nun erhöht.

„Die Übernahme der Holding Wubben wurde möglich, weil der Alteigentümer Theo Wubben in der AVISTA OIL einen zukunftsorientierten Öl-Upcycling-Konzern wie auch einen langfristigen Partner gefunden hatte, der die Entwicklung seines Unternehmens nachhaltig sichert und ausbaut. Auch schätze er im Hinblick auf seine Beteiligung bei North Refinery die technische Kompetenz und Erfahrung im Schmierstoffverkauf der AVISTA OIL,“ so Marc Verfürth, Logistikvorstand der AVISTA OIL. Er sieht am Standort der North Refinery in Delfzjil optimale Möglichkeiten zur Ausweitung der Produktion von Basisölen.

„Mit der North Refinery verfügt die AVISTA OIL nun über eine weitere logistisch günstige Nordseelage und verbindet dadurch die bereits zum Konzern gehörenden Öl-Upcycling-Raffinerien Dansk Olie Genbrug in Dänemark und die Mineralöl-Raffinerie Dollbergen in Deutschland zu einem effizienten logistischen Upcycling-Dreieck, dass auch die weitere Verbesserung der Anbindung an die amerikanische AVISTA OIL Upcycling-Raffinerie in Peachtree City, Georgia, ermöglicht,“ sagt Bernd Merle, CEO der AVISTA OIL.

Die North Refinery verfügt über umfangreiche Annahmemöglichkeiten für Gebrauchtöle zur Herstellung eines Lubdestillates, die Vorstufe des AVISTA OIL Basisöls Kernsolvat®, und zur Aufbereitung zu Fluxölen. Ebenfalls werden Öl-Wasser-Gemische aus der Schifffahrt angenommen und recycelt. Die jährliche Verarbeitungskapazität der North Refinery beträgt rund 200.000 Tonnen.

Über AVISTA OIL
Die AVISTA OIL ist eines der führenden Unternehmen im Öl-Upcycling in Europa. Der 1951 gegründete Branchenpionier ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich profitabel gewachsen und betreut seine Kunden entlang der kompletten Wertschöpfungskette: von der Sammlung und Servicedienstleistungen rund um das Gebrauchtöl, über das Upcycling bis hin zur internationalen Vermarktung und Distribution von hochwertigen Schmierstoffen und Kuppelprodukten. Mit ihrem umweltfreundlichen Kreislaufkonzept AVIeco bietet AVISTA OIL Komplettlösungen für die ressourcenschonende Schmierstoffver- und -entsorgung. Neben der nachweislichen zertifizierten CO2-Reduktion gewährleisten AVIeco-Industrieöle Kosten- und Effizienzvorteile und haben gesundheitsschonende Eigenschaften. Unter dem Dach der AVISTA OIL AG sind eine Reihe von Tochter- und Beteiligungsunternehmen gebündelt, die sämtliche Funktionen von der Sammlung & Logistik, der Aufbereitung und Schmierstoffproduktion sowie der internationalen Distribution übernehmen. Die AVISTA OIL beschäftigt insgesamt rund 550 Mitarbeiter an vier Raffineriestandorten sowie weiteren Standorten in Europa und den USA.

Rückfragen bitte an:

AVISTA OIL AG
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Altölverbrennung beträgt immer noch 50 %!

Mit Bezug auf eine Pressemitteilung des BVSE Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn, im europaticker, wonach im Jahr 2010 nur noch 75 000 t Altöl verbrannt wurden, also eine „heile Welt“ unterstellt wird, waren es nach Darstellung des BVA Bundesverband Altöle e.V. Berlin, tatsächlich bis zu 216 000 t.

Der o.g. Artikel verwendet, so der BVA, Begriffe und stellt Beziehungen her, die nicht mehr den Anforderungen der heutigen modernen Zeit und der geltenden Rechtslage entsprechen.
Seit November 2008 ist die Richtlinie über Abfälle 2008/98/EG die Meßlatte auch für statistische Aussagen. Die auszuwertenden Kategorien sind mit Vermeidung, Wiederverwendung, Recycling und sonstiger Verwertung von zentraler Bedeutung, wenn die Fortschritte erforscht und bewertet werden sollen. Die Kategorien stoffliche Verwertung und Verbrennung sind ungenau und gehören mit Recht der Vergangenheit an.
Auf dem Gebiet gebrauchter Schmierstoffe (Altöl) gilt außerdem gemäß der deutschen Altölverordnung ein Aufbereitungsvorrang zu Basisöl, der bei Bewertungen erstrangig beachtet werden muss.
Zur sonstigen Verwertung von Altöl gehört die energetische Verwertung unbehandelter Altöle ebenso wie die Aufbereitung zu Brennstoffen. Zusätzlich zu den im o.g. Artikel genannten 75 000 t Altöl wurden 2010 noch rund 141 000 t Altöl hauptsächlich zu Heizöl schwer verarbeitet. Insgesamt wurden also 2010 bis zu
216 000 t Altöl verbrannt, die dem Recycling entzogen werden. Das sind rund 50% des gesamten Altölanfalls in Deutschland (436 000 t in 2010). Gemessen an den Forderungen nach Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz ist das ein Missstand. Aus 100 000 t Altöl können bis zu 66 000 t Basisöl hergestellt werden.
Der BVA verweist im übrigen darauf, dass nach den Daten des BAFA Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Eschborn, die Inlandablieferungen von Schmierstoffen seit dem Krisenjahr 2009 bis einschließlich 2011 kontinuierlich gewachsen sind. Davon nach Schmierstoffsorten abgeleitet, ergibt sich ebenfalls ein kontinuierlich gestiegenes Altölaufkommen. Für 2012 wird ein weiterer Zuwachs erwartet.
Nach den dem BVA vorliegenden Meldungen der Altöl importierenden Gesellschaften ist der Altölimport seit 2008 bis 2011 auf über 150 000 t im Jahr 2011 ununterbrochen gewachsen. Er sichert maßgeblich die Basisölproduktion ab.
Der BVA wird traditionell in seinem jährlichen Workshop, der 2012 am 5.10. in Würzburg stattfindet, detailliert alle Daten des Altölaufkommens, der Altölverwendung, Ex- und Import sowie Mineralölproduktion vorstellen und Entwicklungstendenzen der Branche einschätzen. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung steht allen Interessierten offen.
Grundsätzlich begrüßt der BVA den stets vorhandenen starken Wettbewerb in der Branche. Er ist Ausdruck von stetem Wandel. Der BVA stellt außerdem fest, dass es bei den Recyclinganlagen, die hochwertiges Basisöl herstellen, keine Überkapazitäten gibt. Dies belegt die Tatsache, dass diese Raffinerien keinerlei Absatzprobleme haben. Vielmehr gibt es insbesondere für Basisöle einen nicht unerheblichen ungedeckten Bedarf.
Aus diesem Grund ist es richtig, den Strukturwandel in der Branche zugunsten hochwertiger Erzeugnisse fortzusetzen. Zusätzlich wird nach Wegen gesucht, die Ausbeute durch neue Verfahren weiter zu erhöhen. Auf diesem Wege wird die technische Entwicklung der Branche weiter angetrieben und ihr internationaler Vorsprung ausgebaut.





"Leserbrief von Horst Laneus, Geschäftsführer des BVA" (Europaticker 08.12.2011)

Zum Bericht über den Vortrag, Dr. Biedermann, BMU, auf einer Tagung des bvse am 18.11.2011

Sehr geehrte Redaktion,


die Tatsache, dass die Altölmenge, welche in das Recycling gelangt ist, sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt hat, führt nicht zwangsläufig zu der Schlussfolgerung, dass die Altölverordnung ein großer Erfolg ist und sich bestens bewährt hat. Die Ursachen für die Verdopplung liegen an anderer Stelle. Im Gegenteil sind weitere Änderungen der Altölverordnung erforderlich.


Die Altölverordnung ist eine ordnungspolitische Maßnahme vom 16. April 2002, die leider über 4 Jahre hinweg keinerlei Wirkung gezeigt hatte. Im Jahr 2003 war die Basisölproduktion im Vergleich zu 2002 um 10.000 t gesunken und hatte auch im Jahr 2004 den Stand von 2002 noch nicht wieder erreicht. Auch im Jahr 2005 wurde der Stand von 2002 nur geringfügig überschritten. Die entscheidende Frage lautet:
“Aus welchem Grund soll die Altölverordnung plötzlich ab 2006 wirken, obwohl sie seit 2002 unverändert geblieben ist? Sie wirkte leider nicht. Die positiven Wirkungen auf die Altölbranche haben andere Quellen:

Herrn Biedermann legt in seinem Vortrag selbst dar, dass die Altölentsorgung grundsätzlich nach marktwirtschaftlichen Prinzipien funktioniert. Diese marktwirtschaftlichen Prinzipien überlagern die ordnungspolitischen sogar vollständig. So kamen starke Impulse aus der Preisentwicklung für Mineralölprodukte.

In der Analyse von Herrn Dr. Biedermann fehlt die bedeutende Tatsache, dass die Basisölraffinerien ab 2004 enorme Investitionen in neue Raffinerie-verfahren realisiert haben. Diese Investitionen führten zu einem entscheidenden Qualitätszuwachs, insbesondere für Basisöle, und sind die kausale Ursache für die zweifelsfrei positive Entwicklung der Branche. Dafür darf die Branche Anerkennung auch vom BMU erwarten.

Beide Punkte sind kein Beleg für die Wirksamkeit der Altölverordnung. Insofern kann der BVA auch nicht die Auffassung des BMU teilen, dass der Ländervollzug der Altölverordnung reibungslos funktioniert. Die im o.g. Vortrag enthaltene Analyse greift zu kurz. Für alle wird deutlich, dass die Altölentsorgungssicherheit für das BMU die höchste Priorität hat. Die Steigerung der positiven ökologischen Effekte aus dem Altölrecycling liegen dem BMU nicht am Herzen. Wie kann man mit der aktuellen Situation zufrieden sein, wenn Altöl in der Menge, die für eine Jahresproduktion einer Raffinerie ausreicht, nicht aufgearbeitet wird und wenn die Veränderung der wirtschaftlichen Eckdaten jederzeit zu einer negativen Entwicklung führen kann. Die Altölverordnung könnte in diesem Fall die Altölversorgung der Raffinerien nicht sichern. Daraus leitet sich ab, dass noch erhebliche Schritte zur Änderung der Altölverordnung unternommen werden müssen, um zu einem kategorischen Aufbereitungsvorrang (im Gegensatz zu einem formalen Vorrang) einschließlich einem klaren Vermischungsverbot und somit zur Umsetzung der Abfallhierarchie zu kommen.





„Die Energiewende und die Zukunft der Altölbranche“ am 30.09.2011

Altölrecycling 2010 auf Höchstwert gesteigert,
  • Entwurf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes nicht europarechtskonform,
  • BVA- Vorstand einstimmig wieder gewählt,
Im Rahmen der BVA- Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Altöl (BVA) fand am 30.09.2011 in Wernigerode ein Workshop zum Thema „Die Energiewende und die Zukunft der Altölbranche“ statt. Dabei wurden zunächst die sehr guten Fortschritte der Branche in den letzten zwei Jahren und deren Ursachen dargestellt. Die Branche hat 2010 erstmals 450.000 t Mineralölprodukte erzeugt, darunter über 200. 000 t Basisöl. Grundlage dafür war die hohe Nachfrage nach den Qualitätsprodukten der Branche, die infolge der hohen Investitionen in weltweit führende Raffinerieverfahren angeboten werden können. Die Altölversorgung
konnte durch den Import von ca. 150.000 t Altöl, ebenfalls ein neuer Spitzenwert, abgesichert werden. Außerdem unterstützten die wirtschaftlichen Grunddaten der Mineralölwirtschaft maßgeblich den Erfolg der Altölaufbereitung. Für 2011 sind, nach dem Halbjahresergebnis, ebenfalls gute Ergebnisse wie 2010 zu erwarten.

Die abfallrechtlichen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen des Staates jedoch fördern eher die Verbrennung von Abfällen, besonders die Abfälle mit einem Heizwert über 11 000 Kilojoule / kg und schaden der Altölbranche weiterhin. Der BVA lehnt deshalb den vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Neuordnung des Kreislaufwirtschaft- und Abfallrechts vom 6.Juni 2011 als nicht europarechtskonform ab. Außerdem steht der Entwurf im Widerspruch zu den von der Regierung von der gesamten Wirtschaft geforderten Einsparungen von Energie und Ressourcen. Der BVA erwartet eine klare Grundsatzregelung für die Abfallhierarchie gemäß der europäischen Richtlinie über Abfälle vom 19.11 2008- und zwar für alle Abfälle gleichermaßen und für alle Entsorger, unabhängig vom Rechtsstatus des Unternehmens. Ausnahmen dürften nur für bestimmte Abfallströme durch vorgelegte LCA´s zugelassen werden, für die es kein ökologisches Recyclingverfahren gibt. Außerdem müsste die steuerliche Subventionierung für die Verbrennung von Abfällen durch Änderung des geltendes Energiesteuergesetzes eingestellt werden. Hier ist der Staat gefordert. Der Markt allein kann eine Umorientierung auf Recyclingprodukte nicht leisten.

Die Altölbranche mit ihren weltmarkfähigen Mineralölprodukten, hergestellt ausschließlich aus Altöl, ist ein Musterbeispiel für die angestrebte Energiewende. Insofern ist es für die Branche wichtig, sich an den Entwicklungen der Automobilindustrie und der Mineralölwirtschaft zu orientieren, mit denen sie über vielfältige Beziehungen eng verbunden ist. Herrn Dr. Wöhrl, VDA, und Herrn Bittkau, MWV, haben über aktuelle Prognosen der Entwicklung alternativer Antriebe und über den zukünftigen Mineralölverbrauch unter dem Gesichtpunkt der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende informiert. Für die Altölbranche ergeben sich, insbesondere aus dem weltweit wachsenden Bedarf nach Mineralölerzeugnissen, neue Aufgaben. Die alternativen Antriebe werden in Deutschland voran kommen und erhebliche Senkungen bzw. Verschiebungen im Kraftstoffverbrauch bewirken, der Verbrauch von Schmierstoffen (Altölaufkommen) wird davon bis 2025 aber nur gering betroffen sein.

In der anschließenden Mitgliederversammlung wurde der BVA- Vorstand satzungsgemäß neu gewählt und der gesamte Vorstand einstimmig in seinen Ämtern bestätigt. Präsident ist Herr Christian Hartmann, Puralube Holding GmbH, Vizepräsident Herr Dr. Detlev Bruhnke, Mineralöl- Raffinerie Dollbergen GmbH, und Schatzmeister Herr Rolf Schneider, Südöl GmbH. Herr Horst Laneus bleibt Geschäftsführer.

Außerdem gibt der BVA bekannt, dass Herr Dr. Detlev Bruhnke, AVISTA Oil AG, im September 2011 zum Präsidenten des Europäischen Verbands der Reraffineure, GEIR mit Sitz in Brüssel, von den Mitgliedern aus 8 Ländern gewählt wurde. Auch das ist ein Ausdruck der Wertschätzung der deutschen Altölbranche.





"Altölrecycling kommt gut durch Krisenjahr 2009" (erschienen i. d. EuWID Nr. 41 vom 12.10.2011, Seite 3)

Aufkommen aus Zweitraffination konstant / Kritik an Entwurf zu KrWG

Die Branche der Altölrecycler hat sich trotz Wirtschaftskrise im letzten Jahr behauptet. So lag da Aufkommen aus der Zweitraffination 2009 mit insgesamt 375.400 Tonnen nur marginal unter dem Vorjahreswert. Die Mengenentwicklung lief damit entgegen dem rückläufigen Trend in der Schmierölbranche, so dass die Aufbereiter Marktanteile hinzugewinnen konnten, erklärte der Präsident des Bundesverbandes Altöl (BVA), Christian Hartmann, auf der Mitgliederversammlung Anfang des Monats in Berlin. Laut vorläufiger Berechnungen ist das Aufkommen aus Zweitraffination in der letzten Hälfte des laufenden Jahres sogar um fast 30 Prozent auf 213.600 Tonnen gestiegen. Ursächlich hierfür seien sowohl inländische Altölquellen als auch Importe aus dem Ausland, hieß es weiter.

Als positiv bezeichnete Hartmann auch die veränderte Struktur hin zu Basisölen. Während die Mengen schwerer Heizöle im Jahr 2009 um zehn Prozent auf 140.700 Tonnen zurückging, konnte bei den Schmierstoffen ein Zuwachs von 4.200 Tonnen auf 161.500 Tonnen erreicht werden. Auch im laufenden Jahr wuchs die Menge der Basisöle laut vorläufiger Berechnungen mit einem Plus von über 40 Prozent überproportional.

Für das Gesamtjahr geht der Verband von einer Schmierstoffmenge aus der Aufbereitung im Umfang von rund 200.000 Tonnen aus. Das wichtigste Erzeugnis der Altölrecyclingbranche würde somit in etwa die Hälfte der gesamten Zweitraffination ausmachen.

Die Menge leichten Heizöls nahm im letzten Jahr um fast zwei Drittel auf 13.800 Tonnen zu, bei Mitteldestillatkomponenten und HS-Komponenten wurden verzeichnete der BVA Zuwächse von 15 bzw. sechs Prozent auf 18.800 Tonnen bzw. 40.700 Tonnen.

Das weltweite Basisölpotential aus dem Recycling schätzt der Verband auf fast sieben Mio. Tonnen. In Verbindung mit einem unverändert hohen Schmierstoffbedarf sowie der in modernen Verfahren erreichten hohen Basisölqualität sieht die Branche insgesamt gute Wachstumschancen. Erhebliche Potentiale für neue Zweitraffinerien würden dabei nicht nur in China und Indien bestehen, sondern auch in Nordamerika sowie Europa. Hemmnisse liegen aus Sicht des Verbandes aber weiterhin in den fehlenden Lieferstandards sowie unzureichenden Mengen für globale Kunden.

In Deutschland sieht der BVA das Altölrecycling aber vor allem durch eine widersprüchliche Energie- und Rohstoffpolitik belastet. Den Referentenentwurf zum neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz lehnt der BVA als unzureichend und teilweise europarechtswidrig ab. Die stoffliche Verwertung werde nicht gestärkt, sondern vielmehr die Abfallverbrennung aufgewertet, erklärte Hartmann. Somit werde die EU-Abfallrahmenrichtlinie, insbesondere die darin enthaltenen Abfallhierarchie, nur unzureichend umgesetzt. Auch durch das Energiesteuergesetz werde die Abfallverbrennung mit niedrigeren Steuersätzen gefördert, beklagte der Verbandspräsident weiter. Die Recyclingbetriebe würden hingegen Steuererhöhungen durch die geplante Streichung der Vergünstigungen bei der Ökosteuer hinnehmen müssen. Insgesamt sei eine klare Linie der Bundesregierung zur Stärkung des Recyclings nichts erkennbar. Die Altölrecycler fordern daher eine progressive Umsetzung der Abfallrahmenrichtlinie in deutsches Recht sowie die richtige energiepolitische Einordnung der Abfälle gemäß Abfallhierarchie. Darüber hinaus müsse die strikte Altöltrennung durch Einhaltung des Vermischungsverbotes sowie die konsequente Umsetzung des Aufbereitungsvorranges sichergestellt werden.

Helge Wendenburg, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz im Bundesministerium, widersprach der Kritik am Referentenentwurf und versuchte die Bedenken der Altölaufbereiter zu zerstreuen. Etwaige Bedenken, wonach die Altölaufbereitung aufgehoben werde, entbehrten jeglicher Grundlage, erklärte er auf der Veranstaltung in Berlin. Somit bleibe der Vorrang für die stoffliche Verwertung des Altöls weiterhin bestehen. Allerdings müssten in die Betrachtung auch ökonomische und ökologische Gesichtspunkte mit einbezogen werden.
Aus seiner Sicht werde die Abfallhierarchie mit dem vorliegenden Entwurf deutlich umgesetzt. Ein klares Pflichtenmodell bezeichnete er hingegen als problematisch für die Entsorgungs- und somit auch die für Altölbranche. Dies hätte zur Folge, dass die Unternehmen für alle Altstoffe nachweisen müssten, dass eine Wiederverwertung nicht möglich ist, bevor sie diese einer Verwertung zuführten. Gleiches gelte beim Übergang von der stofflichen zur sonstigen Verwertung. Ökonomische Kriterien würden mit einer solchen Regelung außer Kraft gesetzt, gibt Wendenburg zu Bedenken.

Aus Sicht des BVA-Präsidenten Hartmann behindern aber gerade die ökonomischen Kriterien das Recycling. Schließlich würden bei den Anfallstellen letztlich nur die Preisvorstellungen der potentiellen Abnehmer über die weitere Verwendung des Altöls entscheiden. Daher müssten das Vermischungsverbot und der Aufbereitungsvorrang in der Altölverordnung weiter gestärkt werden. Sowohl Getrennthaltungs- als auch Aufbereitungspflicht müssten stärker überwacht werden, etwaige Verstöße sollten entschiedener sanktioniert werden.

Wendenburg stellt daraufhin klar, das zumindest bei Verstößen gegen die Getrennthaltungspflicht bereits Sanktionen bestehen. Für deren Vollzug sei aber nicht der Bund zuständig, sondern die jeweilige Behörden der Länder.
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